
Bei den Orang-Utans zuhause – Ein Erfahrungsbericht zum Jungle Trek in Bukit Lawang
Weltweit gibt es nur noch zwei Inseln, auf denen Orang-Utans zuhause sind – Borneo und Sumatra. Dies ist einer der Gründe, warum ein Abstecher nach Sumatra für uns so attraktiv war. Wir wollten die Menschenaffen unbedingt mal in ihrem natürlichen Lebensraum kennenlernen und mehr über sie erfahren. Am besten eignet sich dafür der Ort Bukit Lawang, welcher wenige Autostunden von der Insel-Hauptstadt Medan entfernt liegt und direkt an den Dschungel angrenzt.
Bukit Lawang ist ein kleines, touristisches Dorf, welches sich am Fluss Bohorok entlang erstreckt. Jede Unterkunft dort hat ein hauseigenes Restaurant und bietet Touren in den Dschungel an. Es gibt sowohl Tagesausflüge, als auch mehrtägige Treks in den nahe gelegenen Gunung Leuser Nationalpark, welcher das Zuhause der Sumatra-Orang-Utans ist.
Heute berichten wir von unseren Dschungel-Erlebnissen und versorgen euch mit interessanten Fakten über Orang-Utans.
Von 3-stündigen Tagesausflügen bis hin zu einer Woche durch den Dschungel wandern und dort zu leben wird alles in Bukit Lawang angeboten. Wir haben uns für einen Mittelweg entschieden: Zwei Tage würden wir durch den Dschungel wandern, die Nacht verbringen wir in einem Camp am Fluss.
Tag 1
Froh und munter geht es nach einem kräftigenden Frühstück los. Mit langer Hose, welche wir in die Socken gesteckt haben, um uns vor Mückenstichen und Blutegeln schützen zu können. Einen Tag zuvor hatte es noch pausenlos geregnet. Umso glücklicher sind wir, dass es am ersten Tag unserer Wanderung trocken ist, wenn auch bedeckt.

Nur wenige Gehminuten später sind wir schon im Wald. Es ist noch nicht der offizielle Dschungel, sondern Land, das im privaten Besitz ist und zur Gewinnung von Gummi sowie zum Anbau weniger Kakaopflanzen genutzt wird. Wusstet ihr übrigens, das Gummi (Naturkautschuk um genau zu sein) aus Bäumen gewonnen wird? Dazu werden Furchen in die Rinde geritzt, die die milchähnliche Flüssigkeit den Stamm entlang nach unten leiten, wo sie in einer befestigten Kokosschale aufgefangen wird. Das Rohmaterial wird dann weiterverarbeitet.
Es geht steil bergauf und dauert nicht lange, bis wir am Eingang des Gunung Leuser Nationalparks ankommen – der offizielle Anfang des Dschungels. Wir machen eine kleine Pause, denn dort springen ein paar Thomas‘ Leaf Affen durch die Bäume – diese gibt es übrigens nur auf Sumatra!
Unser Guide nutzt die Infotafel am Parkeingang, um uns ein bisschen über den Nationalpark und seine prominenten Bewohner, die Orang-Utans, zu erzählen. Während laut der Tafel nur 7.000 Orang-Utans im Park leben, sind es laut unserem Guide aktuell schon 12.000. Die Parkranger bemühen sich sehr, dass die Menschenaffen ihren Lebensraum uneingeschränkt behalten können und sich weiter vermehren. Zudem wird dem „illegal logging“ entgegengewirkt, welches vor knapp 20 Jahren, als der Park gegründet wurde, noch stark betrieben wurde. Dabei wurden Orang-Utans eingefangen und verkauft, sodass sie von Privatpersonen als Haustier gehalten wurden.
In den 1970er Jahren gab es noch eine Orang-Utan-Auffangstation in Bukit Lawang, wo domestizierte Affen auf das Leben in der Wildnis vorbereitet wurden und dann in die Freiheit entlassen wurden. Alle Orang-Utans, die aus dieser Auffangstation stammen, haben einen Namen.
Zurück zum Trek. Wir betreten den Nationalpark und es dauert nicht lange, da verlassen wir den Hauptweg. Wir sehen unseren ersten Orang-Utan! Zwar verdeckt von Bäumen und wir müssen uns das Schauspiel mit einer anderen Gruppe teilen. Dennoch sind unsere anfänglichen Sorgen, vielleicht gar keine Menschenaffen zu sehen, verflogen (denn eine Garantie kann es natürlich nie geben!).

Anschließend wandern wir weiter bergauf. Viel bergauf. Zum Glück scheint die Sonne nicht und das Blätterdach des Dschungels bietet uns Schutz, sonst wäre uns in unseren langen Hosen und Socken noch wärmer gewesen. Wir erreichen eine Lichtung, wo wir unsere Rucksäcke abstellen sollen. Dann geht es auf einen Nebenpfad bergab. Nach knapp 10 Minuten kommen wir an dem Zwischenziel an: Im Baum sitzt eine Orang-Utan-Dame mit einem Baby, das knapp ein Monat alt ist. Wir können ihr Verhalten klar beobachten, sehen das Baby, das sich an seiner Mutter festklammert und sind überwältigt und beeindruckt!
Was ein bisschen irritiert, ist die Reisegruppe, die schon da war, denn die sind scheinbar aufs professionelle Fotografieren spezialisiert. Wofür sonst braucht man ein Objektiv, das selbst die Dimensionen unserer Rucksäcke überschreitet?! Ich bin mir sicher, dass die Fotos gut werden. Dennoch zerstört es ein bisschen den Moment, wenn sie ihre monströsen Kameras auf körpergroßen Einbein-Stativen durch die Gegend wuchten. Das dachte sich wohl auch das Baby, denn es versteckt sich hinter seiner Mama. Und auch die sucht schließlich Schutz in einer Baumkrone.
Wir wandern denselben Weg wieder zurück – bergauf. Auf der Lichtung, wo unsere Rucksäcke stehen, machen wir eine kurze Obst-Pause. Wassermelonen, Mandarinen und Maracujas erfrischen uns, Bananen geben uns Kraft für den nächsten Anstieg.

Wir wandern weiter, bergab, bergauf. Die Wege sind matschig und rutschig, was uns gerade bei den Strecken bergab zu schaffen macht. Ständig rutschen wir weg, landen auf dem Po. Unser Guide Hendra lacht: „Welcome to the Jungle!“ Wir machen regelmäßig Pausen, in denen uns der Schweiß erst so richtig die Stirn runterläuft.
Nach einer weiteren Stunde machen wir Mittagspause. Es gibt Nasi Goreng (gebratenen Reis) und zum Nachtisch Ananas. Direkt neben uns entdecken wir drei Orang-Utans. Ein Mann, eine Frau und ein Junges, knapp 6 Jahre alt. Wir sind verwundert, da Hendra uns erzählt hatte, dass Orang-Utans Einzelgänger sind, abgesehen von Müttern, die ihre Jungen erst nach 5-7 Jahren von sich abnabeln lassen. Die Erklärung ist leicht: Die wollen sich paaren, deshalb verfolgt der Mann die Frau.
Wir wandern weiter. Es geht wieder bergab, bergauf, mit Pausen. Nach etwa 2 ½ Stunden stehen wir vorm letzten Auf- und Abstieg. Und der Abstieg soll der schlimmste der ganzen Strecke sein. Wir können es kaum glauben: „Noch schlimmer als die anderen?“ Ja, noch steiler. Zum Glück hat es nicht geregnet, sonst wäre das eine einzige Rutscherei geworden. So hangeln wir uns jeder einzeln nach unten, halten uns an Baumstämmen und Lianen fest. Stellenweise geht es so steil bergab, dass Lianen als Geländer festgeknotet wurden und wir rückwärts bergab gehen müssen.

Dann die Überraschung: Da sitzt noch ein Orang-Utan im Baum! Gebannt folgen wir dem Verhalten des Menschenaffen, bis wir bemerken, dass er sich auf uns zu bewegt. Er geht zielstrebig, wenn auch langsam, auf eine Person unserer Gruppe zu, die gerade auf dem Weg stehenbleibt. Sie hat Angst. Hendra gibt eine Entwarnung: „Das ist nur Jackie, die will bloß deine Hand halten.“ Was sie aber nicht soll, da wir Menschen den Affen sehr ähnlich sind und wir uns leicht gegenseitig mit Krankheiten anstecken könnten. Oder das Mückenspray an unseren Händen auf Jackie übertragen würde und diese beim Essen die Chemikalien zu sich nehmen würde. Deshalb wird Jackie, wie nur zwei weitere Orang-Utans im Nationalpark, gefüttert. Damit sie eben nicht die Hände von Menschen hält. Dies ist übrigens ein Bedürfnis, das noch aus ihrer Zeit als Haustier und in der Auffangstation stammt.
Jackie wurde also bestochen, den Weg freizugeben und wir können weiter. Wir kommen an unserem Camp am Fluss an und springen direkt ins erfrischende Wasser – unsere Dusche für den Tag. Die Unterkunft ist einfach: Bambusstäbe und Plastikplanen bieten einen Schutz gegen den Regen, in ihnen sind Zelte für uns aufgebaut. Wir sitzen auf Campingstühlen und sind froh, nicht mehr bergauf wandern und bergab schlittern zu müssen.
Hendra fragt, wer am nächsten Tag noch den Zusatztrek machen möchte. Wir wollen wissen, wie der denn aussieht. Er zeigt uns, wo wir hoch gehen würden und runter ginge es wieder den gleichen Weg wie heute. „Auf gar keinen Fall“, antworten wir einstimmig. Es gibt Abendessen im Kerzenlicht und wir gehen früh ins Bett.

Tag 2
Nach einer überraschend erholsamen Nacht stehen wir auf und essen Frühstück am Fluss. Dann packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg zu einem nahegelegenen Wasserfall. Wir gehen am Flussbett entlang und dann gilt es den reißenden Strom zu überqueren. Jedoch nicht ohne Hilfe. Auf LKW-Tubes schieben uns die Guides mit aller Kraft ans andere Ufer. Dabei landen wir dort knapp 20 Meter weiter stromabwärts.
Der Wasserfall bietet eine Abkühlung und eine kostenlose Massage, denn der Strahl ist ziemlich stark. Schon bald wird uns kalt und wir wollen zurück ins Camp. Wir machen uns auf den Rückweg und wärmen uns in der Sonne auf – das Wetter war echt schön, nur ist das Wasser im Fluss und im Wasserfall ziemlich kühl gewesen.
Schon bald gibt es zum Mittagessen eine Nudelsuppe und Früchte. Dann geht es mit dem Jungle-Taxi zurück nach Bukit Lawang. Vier aneinander geknotete LKW-Tubes bieten Platz für vier Personen und zwei Guides, welche mit Stöcken die Richtung beeinflussen, in welche wir raften. Mit der Strömung geht es knapp eine halbe Stunde flussabwärts. Dabei werden wir ordentlich nass, haben aber auch einen Riesenspaß! Was für ein toller Abschluss für zwei wunderbare Tage!
Zum Abschluss teilen wir mit euch noch das Jungle-Trek-Lied:
(auf die Melodie von Jingle Bells)
Jungle Trek, Jungle Trek,
in Bukit Lawang
See the monkeys, see the birds,
see Orang-Utans, hey!
Jungle Trek, Jungle Trek,
in Bukit Lawang
See the monkeys, see the birds,
see Orang-Utans, hey!
